Auch für die Entwicklung des FKP interessantes Buch zum Zustand des Fussballs.

Rund um den Fussball
JannKubschFKP
Amateur
Beiträge: 117
Registriert: Mo 2. Apr 2018, 18:18

Auch für die Entwicklung des FKP interessantes Buch zum Zustand des Fussballs.

Beitragvon JannKubschFKP » Fr 10. Mai 2019, 16:14

Das Buch hätte auch in den "Zukunft"-thread gepasst, aber da vielleicht einige gestört. Deshalb stelle ich es hier mal ausführlicher vor. (einfach löschen, wenn es niemand interessiert, ich möchte es nur erwähnt haben, und keinerlei Streit erzeugen.)

"Das wunde Leder" von Stefan Gmuender und Klaus Zeyringer, suhrkamp, 2018.10 Euro.

Dieses Fussballl-Buch beschreibt die Geschichte und Veränderungen, unter denen auch unser FKP von den Anfängen bis heute existiert. Genau wie die Geschichte von Uwe Seeler, der für mich nicht zufällig bei der 100-Jahrs-Feier des FKP in Pirmasens war. (Ein toller Kerl, der mit Sicherheit vieles im Buch gut fände.) Das Buch beginnt mit dem Jahr 1970, dem 14.Juni. Viertelfinale der WM, Deutschland - England in Mexico. Das Spiel - eine Neuheit damals - fand 1970 extra in der sengenden Hitze mittags statt, damit die europäischen ZuschauerInnen das Spiel zur besten Abendzeit sehen konnten.

Zitat:
" Groß gewachsen ist Uwe Seeler nicht gerade, doch er entzieht sich geschickt seinem Gegenspieler. Mit dem Rücken zum Tor köpft er Karl-Heinz-Schnellingers Flankenball über den englischen Torwart Peter Bonetti hinweg ins lange Eck. Die deutsche Elf gleicht aus - 2:2. Seeler, der Kapitän, sitzt auf dem Hosenboden und streckt die Arme in die Luft. Reißt sich nicht das Trikot vom Oberkörper, sprintet nicht zur Eckfahne, um daran zu rütteln, stellt sich nicht in Schützenpose, zieht keine Maske übers Gesicht. Uwe Seeler sitzt einfach nur da und freut sich "wie ein Bub", wie die Medien damals wissen. Dann eilt der Spieler mit der Nummer 13 herbei und umarmt ihn. Seeler, gewiß einer der besten Mittelstürmer seiner Zeit, hat ihm diese Position überlassen, um selbst als hängende Spitze zu rackern. Gerd Müller wird in der Verlängerung das 3:2" (schießen).


Wer nochmal fundiert nachlesen will, wieso Traditionsvereine wie der FKP genau in der Zeit des Umbruchs, den der Fussball nach 1970 nahm, aus den oberen Klassen verschwand, könnte an dem Buch Gefallen finden. Wer nach 1980 geboren ist, also nichts anderes kennt als den immer weiter ins Unermeßliche wachsenden Milliardenfussball, wird vieles lernen, so sie oder er will.

Es ist kein "früher war alles besser"-Buch, wie heute Verteidiger des Milliardenfussballs gerne sofort sagen, um damit jede Diskussion zu ersticken. Es erzählt und wertet Fakten. Ja, die Autoren hätten gerne, daß es einen neuen Fussball, ein Ende von Korruption, Konkursen, gäbe. Fussball wieder ohne Vereine, die Milliardären gehören. Das ist legitim, und ich sehe das genauso^^. Man kann aber auch Milliardärsfussball schön finden, und trotzdem lesen wollen, wie sich alles verändert hat. Ältere werden sich vielleicht an Joao Havelange erinnern, der dann de Fifa-Generalsekretär, Joseph Blatter, ernannte. Ihr lernt viel über sie im Buch. Und natürlich an Uwe Seeler, der dem HSV von 1946-1972 treu blieb.

Uwe Seeler verdiente in seiner aktiven Zeit ungefähr das Dreifache dessen, was ein Arbeiter verdiente! Heute verdient so mancher Trainer inclusive Werbe-Einnahmen 10 - 20 Millionen Euro im Jahr, und die teuersten Spieler nochmal mehr. Fakten. Man kann sie ja zur Kenntnis nehmen. Wie gesagt, ich möchte keinen Streit im Forum entfachen. Ich halte das Buch aber grade auch für den FKP für hochinteressant.

Der Schlußabsatz des Buchs sei hier schon verraten.


"Die Summen, die heute" [2018] über die TV-Rechte lukriert werden, hätten die Olympier in Cortina d'Ampezzo 1956 ins Märchenreich verwiesen oder für die traumhafte Spur einer Leuchtrakete am Firmament gehalten."


Diese Veränderungen, die vielen gar nicht so klar sind, betreffen ja nicht nur Geld-Giganten wie Barcelona, Real, Liverpool oder Manchester United, etwas dahinter Bayern München usw., also Vereine, die heute Mililardären oder Konsortien gehören oder jedenfalls über unfassbare Summen verfügen. Es geht genauso um kleine Dorfvereine, die mit Mäzen nach vorne wollen, wie Dreieich, früher um Hoffenheim. Aber auch um Vereine wie den HSV Uwe Seelers, oder den FCK, MSV Duisburg, Rot Weiß Essen, Neunkirchen, Homburg.

"Das wunde Leder", bestellt für die, die es mögen, jede Buchhandlung, sofern es noch eine gibt :). In der Zeit, von der das Buch handelt, verschwanden in Pirmasens die herausragende Buchhandlung Richter, "Buch im Zentrum" in der Alleestraße, Jung und Buchheit und andere mehr.

Nach dem Lesen wird man, falls möglich^^, für den FKP nochmal mehr Hochachtung empfinden. Falls möglich :fkpwapp:

Zurück zu „Fussball Allgemein“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste